News: Alles ist gut… Aber ist es? Ein Fensterblick nach Venezuela.

Alles ist gut… Aber ist es? Ein Fensterblick nach Venezuela.

Genau auf diese Frage ist die venezolanische Diaspora der Leuphana Universität in Lüneburg mithilfe vom Bündnis Hochschule ohne Grenzen (BHoG) am 11. Juli 2019 eingegangen.

Ab 18:30 Uhr hat das Audimax der Leuphana seine Türen für alle an Venezuela interessierten Menschen aufgemacht und dort konnten wir den mehrfach ausgezeichneten Film „Alles ist gut“ zeigen, sowie Spenden für AleVen Humanitäre Hilfe, e.V. sammeln.

Im Dokumentarfilm wird die Realität des venezolanischen Gesundheitssystems dargestellt und nach dem Film durften wir mit dem Regisseur, Tuki Jencquel, skypen und seine Vision von dem Film und von Venezuela erfahren. Im Anschluss hat es eine Reihe von Kommentaren, Fragen und Antworten gegeben und wir konnten uns etwas Zeit nehmen, um als Team auf Fragen vom Publikum zu antworten.  Später trafen wir uns im PlanB und hörten Musik von venezolanischen Künstler*innen und haben das Gespräch mit einer kleineren Gruppe weiter fortgeführt. In der Regel kann man dies nur unter Venezolaner*innen machen, und es mit anderen Leuten machen zu können war hilfreich und tat gut.

Sich ein völlig anderes Land aus der eigenen Kultur anzuschauen und versuchen zu verstehen kann schwer sein. Oft passiert es, dass unser Blick von lauter unausgesprochenen oder unbemerkten Vorurteilen bzw. Bias geprägt ist, sodass wir nur ein verzerrtes Bild der fremden Realität nachgehen können. In der heutigen Welt, die vollkommen globalisiert zu sein scheint und Möglichkeiten für Grenzen-übergreifende solidarische Aktionen bietet, können diese Fehlinformationen sogar zur Unterstützung von Ungerechtigkeiten – und im schlimmsten Fall zur Unterstützung von weiteren Menschenrechtsverletzungen – führen. Dies ist mir ziemlich oft klar geworden, wenn ich mit Leuten, die sich selbst als „sozial und solidarisch“ bezeichnen, über das Thema Venezuela in Deutschland mich austauschen durfte.

„Die Lage in Venezuela ist seit langem kompliziert und zwar nicht nur für Ausländer*innen – sogar Venezolaner*innen sind oft „verloren“ und wissen nicht genau was im Lande passiert“ sagten Organisator*innen der Filmvorführung. Dies zusammen mit einem charismatischen und oft lustigen politischen Diskurs gegen den „Feind USA“ konnte dem venezolanischen Regime innerhalb seiner -mittlerweile- 20 Jahren an der Macht viele ausländischen Anhänger*innen gewinnen. Während das venezolanische Volk die Auswirkungen der angewandten Politik des sogenannten „Sozialismus vom 21. Jahrhunderts“ erleidet, werben internationale Befürworter*innen des Regimes (und zwar aus dem bequemen Ausland) für ihre Fortdauer in der Macht. In Venezuela sagen wir oft „in unruhigen Flüssen gewinnen nur die Fischer“… Deshalb kann es einige „Fischer“ interessieren, den Fluss unruhig zu machen bzw. so unruhig wie möglich zu halten. Eine internationale Version von „verwirre und besiege“, wenn man so will.

Im Gespräch mit den venezolanischen Diaspora in Lüneburg behaupteten sie: „dies hier sehe ich als Beispiel davon, warum Diversität wichtig ist und auch wie eine zahlreiche Diaspora eine wichtige Rolle spielen kann. Als Mensch, der das eigene Land verlassen hat, kann man sich mit anderen Leuten solidarisieren und ihnen ein „klareres“ Bild von dem eigenen Land darstellen. Vor allem, wenn „unsere“ Probleme Auswirkungen für die ganze Welt haben können. Als Diaspora kann man sozusagen aus dem „unruhigen Fluss“ ein wenig Sand wegfiltern und damit etwas mit anderen Inländern und Ausländern zusammenbauen. Es ist schön etwas mit Leuten bewirken zu können, die man wahrscheinlich sonst nicht im eigenen Land getroffen hätte. Diese neuen Möglichkeiten können allerdings manchen Fischern nicht gefallen, weil sie dadurch nicht mehr so einfach fischen können – in manchen Fällen werden sie sogar (bewusst?) versuchen den ganzen Fluss (von Informationen) auszuschalten“. 

„Wir sind dem BHoG und den Filmgästen unglaublich dankbar, dass sie vorbeigekommen sind, um sich über Venezuela zu informieren und Raum für Expert*innen gemacht haben, um nach Möglichkeiten für eine echte Solidarität zu suchen. Im Fall von Venezuela ist diese Frage wichtig: ist man solidarisch mit einer Ideologie oder solidarisch mit echten Menschen?“ – in Worten der Organisator*innen.

Auf weitere Termine für solche Aktionen freuen wir uns!

Bis dann


Alles ist gut… Aber ist es? Ein Fensterblick nach Venezuela.